Oper Chemnitz

  • Regie/ Choreographie: Till Nau
  • Musikalische Leitung: Benjamin Reiners
  • Bühne: Momme Hinrichs
  • Kostüm: Conny Lüders
  • Choreo Ass.: Rhys George

Auszug aus der Kritik der MUSICALZENTRALE

Alles andere als Schiffbruch erleidet Till Naus ergreifende Inszenierung über eines der größten Unglücke der Menschheitsgeschichte. Im Chemnitzer Opernhaus gerät der Musical-Abend um die dramatische Jungfernfahrt der „Titanic“ auch wegen des fantastischen Casts zu einem Triumph…

Regisseur Till Nau meistert bravourös diese Mammut-Aufgabe und zeigt in liebevoller wie individueller Personenführung unter anderem hoffnungsvolle Auswanderer, wohlhabenden Geldadel, pflichtbewusstes Kabinenpersonal und erfahrene Schiffsoffiziere. Jede Figur ist getrieben von eigenen Träumen, Eitelkeiten und Gefühlen. Der unbeschwerten Euphorie über die „Titanic“-Jungfernfahrt von Southhampton nach New York im ersten Akt weicht nach der Pause die bittere Gewissheit einer unausweichlichen Katastrophe zwischen herzzereißendem Abschied und kollektiver Pflichterfüllung. Naus Inszenierung ist nicht nur menschelnd und berührt zutiefst, sie greift auch die unfairen Bedingungen der dritten Klasse, den unbeugsamen Technikglauben und den Überlebenskampf von Passagieren und Personal emotional greifbar auf. Als Choreograf gelingen Nau zudem packende Massenszenen und eine dem Tanz auf dem Vulkan gleichende Ragtime-Nummer mit Steppeinlage auf dem Sonnendeck.

Foto: Nasser Hashemi

Foto: Nasser Hashemi

Foto: Nasser Hashemi

Foto: Nasser Hashemi

Foto: Nasser Hashemi

Foto: Nasser Hashemi

Auszug aus der Kritik von DIE DEUTSCHE BÜHNE

Drehbühne und Hubpodeste tragen das ihre bei zu fliegenden Szenenwechseln: Eben noch die gelangweilte Geschäftigkeit beim Captains Dinner auf dem Oberdeck, kurz danach die schwitzende Düsternis des Maschinenbauchs. Und erst recht das Untergangsszenario mit all seinen mal herzzerreißenden, mal brutalen Episoden wird eindrücklich in Szene gesetzt. Mehr als ein Hut darf da in die Luft fliegen angesichts der bildnerischen Ideen von Regisseur Nau und Bühnenbildner Momme Hinrichs sowie der handwerklichen Leistungen der Theater-Werkstätten.

Wie überhaupt zu sagen ist: Die stärksten Momente gebiert die Inszenierung in ihren Massenszenen. Wenn sich die Chöre entfalten, werden aus Musicalnummern Choräle. Und die Chemnitzer Oper verwandelt sich in einen Dom, in dem der über tausend Toten des Unglücks gedacht wird. Sakral-pathetisch hallen die Schlussklänge lange nach im Ohr der Premierengäste. Da braucht es stehende Ovationen zur Befreiung.

Auszug aus der Kritik der KULTURFEDER

Am Opernhaus Chemnitz wird das Werk von Maury Yeston (Musik und Songtexte) und Peter Stone (Buch) zu einem großen Gesellschaftspanorama, in dem nicht nur die letzten Stunden der „Titanic“ im Mittelpunkt stehen, sondern vor allem die Menschen, ihre Hoffnungen, ihre sozialen Unterschiede und ihre Entscheidungen. Regisseur und Choreograf Till Nau erzählt diese Geschichte mit sicherem Gespür für Tempo, Atmosphäre und Figurenführung. Seine Inszenierung ist auffallend cineastisch: Die Szenen wechseln wie Einstellungen eines Films, während sich aus vielen Einzelgeschichten ein immer dichteres Gesamtbild formt. Nau macht dabei deutlich, dass die Passagiere keineswegs mit denselben Vorstellungen an Bord gehen. Für die Menschen der ersten Klasse ist die Uberfahrt gesellschaftliches Ereignis und Demonstration von Wohlstand, für andere bedeutet die Reise den Aufbruch in ein neues Leben. Wieder andere arbeiten an Bord und erleben das Schiff aus einer ganz anderen Perspektive. Aus
diesen unterschiedlichen Zielen und Erwartungen gewinnt die Inszenierung einen wesentlichen Teil ihrer Spannung. Die Titanic wird so nicht allein zum Schauplatz einer Katastrophe, sondern zum schwimmenden Abbild einer Gesellschaft, in der Stand, Geld und Herkunft über den Alltag entscheiden.

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